Dreck und Farbe

Vom richtigen Eindruck

 

Prop.osal: Kofferwort aus dem englischen Prop (Requisite) und kolossal. Klingt auserdem wie Proposal (engl.: Antrag) und soll an dieser Stelle zum Einen die Bedeutung der Ausstattung für einen Films unterstreichen und zum Anderen eine Art Liebeserklärung an den Bau von Requisiten darstellen. Gott, bin ich romantisch.

 

Für den ersten Drehtag von Butterfly war es noch einfach: Picknickkorb, Blume und Sitzdecke, sowie Trikot und Fussball. Fertig sind die Heile-Welt-Szenen ausgestattet. Die größte Requisite, den Drehort, finde ich vor den Toren der Stadt in der Fischbeker Heide. Unendliche Weiten und traumhaftes Spätsommerwetter runden den Eindruck ab. Denn nicht nur die Technik und die Schauspieler machen einen Film aus. Viel von dessen Glaubwürigkeit hängt auch daran, wie eine Szenerie aussieht. In Butterfly lag meine große Herausforderung darin, eine weitere Erzählwelt – ein trostloses Ödland – zu erschaffen und seine Protagonisten dafür auszustatten.

Für einen Film mit Soldaten braucht man Waffen. Die zumindest plausibel aussehen. Ich möchte auf keinen Fall ein Luftgewehr oder Ähnliches verwenden. Allerdings kommt man als kleine Underground-Filmschmiede auch nicht so einfach an Waffenreplika. Dachte ich zumindest, später wurde ich eines Besseren belehrt. Auf der Suche nach Alternativen stoße ich auf Adam Savage’s Tested. Adam ist der Kleinere von den Mythbusters, und pinselt in einer Folge eine bunte Nerfgun zum Scifi-Gewehr um. Auseinander nehmen, ansprayen, zusammen bauen. Und anschließend noch Details drauf malen. Ich entscheide mich dafür, es ihm gleich zu tun. Der Look des Filmes geht damit jetzt eindeutig in Richtung der Fallout-Reihe.

Aber zurück zum Nerfs anmalen: Wie so vieles was Profis tun, sieht das Ganze easy mobisi aus. Jetzt werde ich mir aber nicht blind eine 60-Euro-Knarre kaufen und die ruinieren. Ich kaufe mir ein günstigeres Modell, Schleifpapier und Farbe und teste das ganze erstmal. Kostenpunkt: 60 Euro. Und wie vermutet, ist das Ganze wie ein Arcadespiel:  Easy to learn, hard to master. Insgesamt habe ich mit Unterstützung am Ende zwei Pistolen und zwei Gewehre umlackiert und die Ergebnisse lassen sich durchaus sehen.

Die Protagonisten einkleiden war das nächste Thema. Wie sieht meine Menschheit nach dem Fallout aus? Letzte Reste von Militär oder eher marodierende Banden? Mad Max oder Walking Dead? Ich entscheide mich für dreckige und zweckmäßige Kleidung für die Scharfschützin und einem militärischen Look für den Kämpfer auf der Gegenseite. Ausschlaggebend hierbei war vor allem, was noch in den Kleiderschränken von mir und Freunden zu finden war. Überall werden noch dreckige Mullbinden drumrum gewickelt und mein Setting ist fertig.

Last but not least: Der Drehort. Auf allen Plattformen und im Hermelin-Netzwerk suchen wir nach Ruinen in Norddeutschland. Vom Conti-Gelände in Hannover bis Alsen in Itzehoe sind einige vielversprechende Locations zusammen gekommen. Letztlich werde ich aber mitten im Hamburger Hafen bei einem alten Löschplatz fündig. Kaputte Mauern und Schutt, genau das was ich suche. Einziges Manko: Im Hintergrund sieht man beim falschen Kamerawinkel eine befahrene Straße. Für den Drehtermin an einem Sonntagvormittag Mitte März gehe ich aber von ruhigem Verkehr und Sichtweiten bei Nebel von 20m aus. Es wurde der sonnigste Tag im März: blauer Himmel, ideal für einen Ausflug mit dem Auto. Danke Hamburg.

 

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Written by Nico Rüter | Hermelin
Mediengestalter Bild/Ton | Compositing Artist | Editor | Gründer Hermelinfilm