… damit macht man sich nur den Film kaputt.

Wieder ist es passiert. Immer der selbe Fehler. Buch gelesen – gehypet, Film geguckt – ernüchtert. Man könnte auf das Medium verweisen: Ja ein Buch bietet mehr Platz als 2 Stunden Kinofilm, aber auch die bewegeten Bilder haben ihre Möglichkeiten eine tiefgründige Geschichte zu erzählen.

Neuestes Beispiel wie man es nicht macht: Ready Player One. Eine Hommage an die 80er Jahre und alle Nerds. Als 90er Kiddo bin ich damit nur in der zweiten Kategorie angesprochen, aber das reicht für das Verständnis und den Spaß am Buch allemal. Es ist definitiv nicht tiefgründig, aber kurzweilig und witzig. Grund genug, dass es jemand verfilmen möchte. Steven Spielberg ist dieser jemand. Autor Ernest Cline selbst sagt über das Buch, er hätte es so geschrieben, dass man es gut verfilmen könne. Und das er Selbiges in der Adaption gut umgesetzt wieder gefunden hat. Leider haben Film und Buch absolut nichts miteinander zu tun. Gleich zu Beginn wird aus der Jagd nach den 3 magischen Schlüsseln ein fulminantes Stock Car-Rennen mit King Kong. Die Begründung, dass es wohl zu langweilig gewesen wäre jemandem beim Arcade daddeln zuzuschauen ist insofern hinfällig, als dass der Film zu großen Teil in einer Virtuellen Realität spielt. Und das Arcadespiele ihre eigene Welt sind haben wir in Ralph reichts gesehen. Also warum nicht tiefer in die VR gehen – Inception lässt grüßen – und das Joustturnier aus dem Buch nehmen? Für Blockbusteraction alles geschenkt.
Auch Themen wie die Anonymität im Netz? Wem kannst du vertrauen? Im Buch begegnen sich die Überlebenden (!) erst am Ende in der echten Welt. Im Film sind sich alle ab der Hälfte perönlich bekannt, jeder kennt jeden und -spoileralarm- alle bleiben am Leben. Der skrupellose Konzern ist hier doch nicht so skrupellos.

Anderes Beispiel: Der Goldene Kompass. Vor Jahren das erste  Mal geguckt. War ok, nix Besonderes. Letztes Jahr endlich die Bücher gelesen – der Film hat es ja nichtmal geschafft Teil 1 komplett zu erzählen – und aus allen Wolken gefallen. Eine komplexe Welt mit tiefgründigen Fragen nach der Seele und dem Sündenfall wird getauscht gegen ein pokemoneskes Abenteuer eines Mädchens mit ihrem Haustierfreund. Danke für Nichts.
Die Story im Buch lebt vor allem von den starken Nebencharakteren. Ich will bis heute wissen was Iorek und Lee verbindet, dass wird mir aber wohl nur vergönnt sein, wenn Disney sich entschließt die Geschichte auszuschlachten – Im Film sind sie auf jeden Fall nur Erfüllungsgehilfen um von A nach B zu kommen. Ohne jemals C zu erreichen, denn wie erwähnt endet der Film vorm Höhepunkt von Buch 1. Was ist da passiert?!

Schlechte Verfilmungen sind aber kein Problem von Hollywood, auch der deutsche Film kriegt das ganz gut hin – selbstverständlich. Die Vermessung der Welt habe ich damals am Set von Ein Fall für Zwei verschlungen. Zwei Exzentriker auf Entdeckungsreise, der eine als Forscher in Südamerika, der andere als Mathematiker eher in seinem Kopf unterwegs. Vorbehaltslos empfehle ich jedem dieses Buch. Den Film habe ich schon wieder verdrängt…

Die Folge der ganzen Verstümmelungen an guten Storys hält mich davon ab Herr der Ringe zu lesen. Mache ich mir die Filme – die ich sehr mag – damit kaputt, die Bücher zu kennen? Der Hobbit war ein schönes (Kinder)buch. Die unnötigerweise dreiteilige (!) Verfilmung jedoch springt szenenweise zwischen Furzwitzen und abgeschlagenen Köpfen. Konsequenterweise habe ich nur den ersten Teil gesehen und für schlecht befunden. Steht Tolkiens Trilogie im selben Buch-Film Verhältnis?

Apropos Peter Jackson: Ich habe jetzt Phillip Reeves Mortal Engines gelesen, und mag die Welt, die Charaktere, die Stimmung … Kinostart ist im Dezember …

 

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Written by Nico Rüter | Hermelin
Mediengestalter Bild/Ton | Compositing Artist | Editor | Gründer Hermelinfilm