„Malte meldet sich gleich bei dir, der hat ne ganz geile Idee am Start und fährt richtig auf“, schreibt mir Robert im Sommer. So kommt es dann auch: Malte schreibt, die Idee ist geil und er fährt richtig auf.

Eine Woche später liegt das Drehbuch zu Infiniti auf meinem Tisch, respektive meinem Desktop. Noch eine Woche später habe ich es auch geschafft, es zu lesen. Robert übernimmt die Hauptrolle des Mark, der gerade von der Beerdigung seiner Eltern Heim kommt. Zuhause muss er sich nun mit den Folgen seiner Erbschaft herum schlagen. Die Story ist komplex. Mit dem Vorsatz sie sofort zu verstehen, brauche ich eine Stunde, um sie zu lesen. Immer wieder muss ich zurück blättern, um die Logik zu verstehen. Mir gefällt’s, das Ziel ist sehr ambitioniert, die Umsetzung bietet einige Herausforderungen. Wir haben Trickshots und Greenscreenaufnahmen. Später soll noch mehr VFX dazu kommen. Soviel zur geilen Idee, mehr kann ich nicht verraten, ohne die ganze Geschichte auszuplaudern.

Deshalb kommen wir zum Equipment: Malte fährt tatsächlich gut was auf, hat sich Technik von Freunden und Arbeitgeber geliehen und was dann noch fehlte gemietet. Wir drehen mit programmierbarem Slider, Gimbal und ordentlicher Kamera (Canons C100, auf der Mühle habe ich schon mein Gesellenstück gedreht, Gruß an die Handelskammer). Dazu kommen vergleichsweise Unmengen an Licht. Schüttiman haben wir bisher immer mit einem Lichtkoffer und drei Lampen abgefeiert … Diesmal haben wir ganz andere Spielräume, um die Stimmung im Film zu gestalten, was in Anbetracht der Geschichte auch dringend nötig ist. Die Handlung spielt nachts und wir spielen viel mit Licht und Schatten. Zu guter Letzt steht uns noch eine Zeiss Optik zur Verfügung, jedem Kamera- und Fotonerd schlägt da das Herz höher. 15mm Brennweite, verzeichnungsfreies und lichtstarkes Bild. Top. Weniger begeistert ist der Gimbal, der das nicht gerade leichte Teil austarieren muss. Hin und wieder müssen wir Shots wiederholen, wenn der Motor gehakt hat. Aber die Bilder sprechen für sich: Trotz der engen Flure in denen wir drehen, kriegen wir immer das Bild, welches Malte sich vorgestellt hat. Die Investition hat sich gelohnt.

Einer dieser Shots ist der Establisher, der als Onetaker gedreht wird. Mit der Kamera im Gimbal und der gesamten Crew im Schlepptau durchqueren wir die Wohnung. Keine Chance etwas zu verstecken (abgesehen von der Lampe hinterm Kleiderständer), also drehen wir alles mit dem vorhandenen Deckenlicht. Nicht optimal, aber das Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen. Starkes Schauspiel von Robert bringt uns direkt in die richtige Gefühlswelt und eröffnet den Film angemessen. Auch im Laufe der anderen Drehtage ist Robert mit vollem Körpereinsatz dabei und zerschmettert die Frontscheibe der Requisitenuhr. Maja organisiert jedoch in Bestzeit eine Ersatzscheibe aus Plexiglas, wir attestieren ihr hier nochmal die beste Eignung als Aufnahmeleiterin. Später wird der Verleiher sagen, dass er Plexiglas eh viel besser, weil widerstandsfähiger, findet.
Nach insgesamt fünf Drehtagen, von denen einige bis tief in die Nacht gehen, sind wir endlich fertig. Jetzt geht es in die Postproduktion. Malte schneidet die erste Verison, Robert und ich beginnen mit den VFX-Shots.

Jetzt im Herbst stehen wir Malte auf den Füßen: Wann kommt der Film endlich? Es kann nicht mehr so lange dauern, versichert er uns …

-nr

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