„Nicht schon wieder ein deutscher Krimi!“, war der erste Gedanke, der mir durch den Kopf ging, als ich die Story von Babylon Berlin erfahren habe. Zum Glück war die Handlung nicht das Erste, was ich von dem Projekt mitbekommen habe. Das Erste war:

Tom Tyker (Wuhuu) dreht für eine Kooperation aus ARD und Sky (Ähm … was?!) eine 16-teilige Serie in zwei Staffeln (schon bestätigt), angesiedelt im Berlin der Goldenen Zwanziger (Peaky Blinders lassen grüßen) für schlappe 40 Mio. (Euro, nicht Kronkorken) und schickt sich damit an, dem Serienniveau in Übersee die Stirn zu bieten (Spätestens hier hatte es mich).

 

 

Also von Anfang: Die öffentlich-rechtliche ARD und das private Sky ko-produzieren gemeinsam. Das an und für sich ist schon eine Sensation. Hinter den Kulissen hat man sich wohl darauf geeinigt, dass wenn man mit Netflix und Co mithalten will, seine Serien nicht mehr stiefmütterlich behandeln darf. Soaps a la Rote Rosen werfen jeden Tag eine neue Folge mit flachen Intrigen und noch flacheren Charakteren raus. Und nachdem der Krimi zum Lieblingsgenre des Deutschen erklärt wurde, wird man ihn im Abendprogramm nicht mehr los. Jeden Abend. Jede Saison. Alternativ gibt es eine Quizshow, die in jeder erdenklichen Variation schon widergekäut wurde: Alt gegen Jung, Ost gegen West, Dick gegen Doof. Der Mut zu Neuem fehlt, lieber wird Altbewährtes aufgewärmt.

Bis Jetzt.

Mit einem Gesamtbudget von 40 Mio. Euro kostet jede Folge Babylon Berlin nominal mehr als das Doppelte als ein normaler Tatort. Und der dauert auch noch doppelt so lang.  In Babelsberg konnte durch das Projekt endlich die „Neuer Berliner Straße“ verwirklicht werden, eine 15.000 m² große Außenkulisse mit Straßenzügen und einem Platz im Stil des Zwanziger Jahre Berlin. Bereits das Vorgängermodell der Kulisse wurde in 15 Jahren für dutzende Filme genutzt und gegegebenenfalls umgebaut und mit Greenscreen erweitert. Für den Filmstandort Babelsberg ein Segen.

 

 

Und zu guter letzt noch Tom Tykwer. Berühmt geworden ist er mit Lola rennt. International kam der Durchbruch mit Das Parfüm. 2012 knüpfte er an den Erfolg an und brachte mit den Wachowskis Cloud Atlas in die Kinos. Danach führte er in drei Folgen von deren Serie Sense8 Regie. Dort scheint Tykwer Blut geleckt zu haben, was jeden Fernsehjunkie nur erfreuen kann.

Soweit so gut, jetzt habe ich letzen Endes aber doch erfahren, dass hier ein Krimi gedreht wird: Komissar Gereon Rath (Volker Bruch) wird im Frühjahr ’29 nach Berlin versetzt, um eine scheinbar einfache Erpressung aufzuklären. Doch schon bald findet er sich in einem Malstrom aus Mafia, Korruption, Drogen- und Waffenhandel wieder. Gleichzeitig wird die junge Weimarer Republik in den politischen Unruhen zwischen Kommunisten und Nazis aufgerieben.
Ein Krimi-Epos vor historischer Kulisse, in der es nur bergab gehen kann? Das Gerüst klingt vielversprehend und macht Lust auf mehr. Ich werde also mein Sky-Ticket nun doch schon vor der neuen Staffel Game of Thrones verlängern. Denn beim besten Willen, ich warte nicht, bis die ARD erst im nächsten Herbst mit der Ausstrahlung beginnen darf!

 

 

-nr

Share: