Das ist die große Frage, die sich mir gestellt hat, als ich das erste Mal auf den Trailer von Oats Studios gestoßen bin. Viele coole Filmschnipsel, professionell produziert und ein irgendwie bekannter Stil. Ich abonniere ihre Seite, um auf dem Laufenden zu bleiben. Als auch mein Newsfeed das einsieht, ist schon der zweite Film veröffentlicht. Ich verbuche es als Glücksgriff: Doppelt so viele Filme.

Ich beginne mit Rakka, eine Zukunftsdystopie; Echsenaliens haben die Menschheit versklavt, nur ein kleiner Widerstand möchte sich nicht beugen. Soweit so bekannt. Die Umsetzung hat es aber in sich: Bedrückend, chancenlos, brutal. In der Hauptrolle kämpft Sigourney Weaver (!) als Milizkommandantin gegen die Aliens. Die Frau weiß einfach wie man Aliens erledigt. Der Abspann ist perfekt am Höhepunkt des ersten Aktes platziert ist. Danke, ich muss wissen wie es weiter geht!

Also schaue ich direkt den zweiten Film Firebase, nichts für schwache Nerven wie sich herausstellt. Vor allem sieht das nicht nach dem Alienmexiko aus Rakka aus. Wir sind in Vietnam, mitten im Krieg. Die Amerikaner haben mit ihren Kriegsverbrechen ein Höllenwesen entfesselt: Den Flussgott. Um dieser Gefahr Herr zu werden, schicken sie einen vom Schicksal beschützten Ramboverschnitt ins Feld. Auch dieser Film endet direkt nach dem ersten Akt.  Ok, jetzt finde ich heraus, was hinter den Oats Studios steckt.

 

Die Idee stammt von Neill Blomkamp, Regisseur von District 9 und Elysium. Jetzt weiß ich auch, woher ich den Stil kenne. Die Handschrift ist unverkennbar. Seine Intention ist es, einen Spielraum für Kreative zu schaffen, in denen unabhängig von großen Studios Ideen entwickelt und umgesetzt werden können. Dabei vertritt er die Auffassung, dass die ersten 7 Minuten eines Filmes eine Welt erschaffen die der Zuschauer versteht. Tatsächlich gelingt ihm das in Rakka und Firebase mühelos. Leider enden beide Filme auch so abrupt, dass man sich die Fortsetzung beziehungsweise ein richtiges Ende wünscht.
Anders bei den Zwischenhäppchen Cooking with Bill und GOD, die beide zu Ende erzählt werden. Beide nicht länger als 5 Minuten, sind sie auflockernd und haben trotz beißendem, tiefschwarzen Humor nichts von der dunklen Grundstimmung der Hauptfilme.

Wie geht es nun weiter mit den Oats Studios? Momentan verbrennen sie einfach Geld, wie Blomkamp in einem Interview auf der E3 erzählt. Wichtig sei es, die Augenhöhe und den Austausch zum Publikum zu behalten. Deshalb steht Volume I kostenlos auf Youtube und Steam zur Verfügung. Zu Volume II soll sich das ändern, der altbekannte Trick mit dem Gratiskoks. Aber auch das 35 Kopf starkes Team mit Produktionsbüro, Studio und eigener Requisitenwerkstatt will irgendwann über die Runden kommen. Und Blomkamps Ziel, letztendlich in der Weise frei und kreativ zu sein, wie er es sich vorstellt, ist absolut nachvollziehbar. Hoffentlich entkommen die Oats so dem Einheitsbrei der großen Studios und bleiben gleichzeitig auf ihrem Niveau.

Für uns Hermeline sind die Oats natürlich erstmal in einer anderen Liga, aber ein kleines Studio mit großen Zielen, das wollen wir auch. Frei in der Kreativität sein und auch einfach mal experimentieren mit der Chance auf die Nase zu fallen. Das ist doch unsere Wunschvorstellung, also der erste Teil davon, der Zweite lässt sich nicht vermeiden… Das Niveau, welches die Oats hier an den Tag legen, hat auf jeden Fall Vorbildcharakter für uns. Nur unsere Filme dürfen ein wenig freundlicher werden, mittlerweile habe ich den dritten Film Zygote gesehen, Horror vom feinsten, nochmal brutaler und dunkler. Da wünsche ich mir lieber die Fortsetzung von Rakka und Firebase

Share: